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Das Spielzeug Sprache Verstehen leicht gemacht: Eine Kolumbianerin leitet den Kindergarten "Casa Luz", in dem sich 26 Nationen begegnen Von Georg Etscheit Manchmal geht es noch ein bisschen durcheinander. "Willst Du auch ein Papierflugzeug haben?", fragt Frau Goede den kleinen Yannick. Der Vierjährige überlegt kurz und antwortet dann mit Bestimmtheit: "Un kleines." Frau Goede lacht über diese lustige Kombination von Deutsch und Spanisch und macht sich an die Arbeit, damit der Kleine zu seinem Spielzeug kommt. Luz Obesso de Goede leitet das internationale private Kinderhaus "Casa Luz" in Schwabing, und der kleine Yannick ist einer ihrer Schützlinge. In der "Casa Luz", dem "Sonnenhaus", spielen schwarzhaarige mit blonden, dunkelhäutige mit hellhäutigen Kindern. Wer seine Sprösslinge von klein auf interkulturell und mehrsprachig erziehen will, gibt sie in die Obhut von Frau Goede und ihren sechs Mitarbeiterinnen. Das sind vor allem binationale Ehepaare wie die Eltern des kleinen Yannick, dessen Vater Chilene, die Mutter Deutsche ist. Auch Luz Obesso de Goede selbst wandelt sozusagen zwischen den Welten. Die Gründerin des "Sonnenhauses" stammt aus Medellin in Kolumbien, lernte dort an einer internationalen Schule neben ihrer Muttersprache Spanisch fließend Englisch und ist heute in München mit einem Deutschen verheiratet. Auch ihre drei Kinder wachsen mehrsprachig auf. Die halbe Welt ist in den Räumen an der Ungererstraße versammelt: 26 Nationalitäten zählt Frau Goede, und alle scheinen sich prächtig zu verstehen. Hauptumgangssprache ist Deutsch; daneben verständigen sich die Kinder - außer in ihrer jeweiligen Muttersprache - noch in Englisch und Spanisch. Aber auch der kleine Xun mit dem kurzgeschorenen Kinderschädel, der erst vor ein paar Wochen hierher kam und immer wild auf Chinesisch daher plappert, scheint sich nicht fremd zu fühlen. "Wir verständigen uns mit Zeichensprache", sagt Frau Goede, und auch der sechsjährige Felix scheint nichts daran zu finden, dass sein chinesischer Spielkamerad wahrscheinlich nicht einmal Bahnhof versteht: "Wir spielen einfach mit ihm." "Hier wundert sich niemand darüber, wenn der andere aus einem fremden Land kommt", sagt Frau Goede. "Es kommt zuerst einmal darauf an, dass sich die Kinder als Menschen wohl in ihrer Haut fühlen. Sie sollen lernen, sich selbst zu behaupten, sich anzunehmen und verstehen, dass andere Nationalitäten eine Bereicherung darstellen und keine Schande." In den kommunalen Kindergärten, meint Frau Goede, gebe es schon mal Probleme mit der gegenseitigen Akzeptanz. "Bei uns kommt es nicht dazu, bei uns ist der Blickpunkt ganz anders. Ist jemand Ausländer? - Schön!"
Obwohl sich das "Sonnenhaus" als Schule der Toleranz versteht, werden weltanschauliche und religiöse Klippen bewusst umschifft. "Natürlich feiern wir auch Weihnachten", sagt Frau Goede. "Aber wir stellen das Fest nicht als religiöse, sondern gesellschaftliche Erscheinung dar." Allen Weltreligionen, die in der "Casa Luz" vertreten sind, könne man nicht gerecht werden. "Da würden wir immer jemand benachteiligen." Luz Obesso de Goede versucht dafür, den Kindern auch lateinamerikanisches Lebensgefühl mitzugeben: "Wir Kolumbianer sind toleranter und kulanter. Das Leben bei uns ist nicht so stark reglementiert wie hier. Das strahlt sicher von mir aus." |